Fünf junge Hermannstädter über ihre Zukunft in Rumänien (Fotos: Uli Reinhardt)

Rumäniens junge Generation

„Wir wollen bleiben!“

Seit dem Ende des Ceauşescu-Regimes 1989 haben tausende Rumänen das Land verlassen; in Westeuropa suchten sie Arbeit und das persönliche Glück. Doch es tut sich was: Viele der jüngeren Rumänen wollen es in der Heimat schaffen. Fünf Hermannstädter erzählen, warum.

Von Dominik Drutschmann und Undine Zimmer

Rumänien hat sich zwanzig Jahre nach dem Sturz des kommunistischen Regimes noch nicht regeneriert. Fast eine ganze Generation ist ausgewandert und die Spuren des Ceauşescu-Regimes sind noch immer sichtbar: in der Architektur, in der Landschaft und in der Mentalität der Menschen. Zähe Bürokratie, veraltete Denkmuster, schlechte Logistik, Arbeitslosigkeit und Chancenungleicheit schmälern die Karrierechancen im eigenen Land. Nicht umsonst lautet ein Sprichwort: „Hier in Rumänien ist es kompliziert. Und wenn es nicht kompliziert ist, machen wir es kompliziert.“ Viele Rumänen zeichnet eine feine Selbstironie aus, auch mit Fremden lachen sie viel und gerne auf ihre eigenen Kosten.

Weniger zum Lachen ist ein Blick auf die Zahlen: Die Bevölkerungszahlen sinken stetig. Knapp drei Millionen Rumänen waren 2007 im Ausland beschäftigt, ein Jahr zuvor wurde die Rekordsumme von rund fünf Milliarden Euro von Arbeitsmigranten aus dem Ausland nach Rumänien überwiesen. Ein Grund sind die niedrigen Löhne, ein anderer die Politik im Land. Hoffnung hatten viele Rumänen in den Präsidenten Traian Băsescu gesetzt. Doch sein Versprechen, die Korruption im Land auszumerzen, hielt er nicht ein. Mittlerweile sagen viele, dass es seit seinem Amtsantritt 2004 noch schlimmer geworden sei. Auf dem Korruptionsindex ist Rumänien im letzten Jahr erst wieder nach unten gerutscht, auf Platz 75, einen Rang vor Griechenland.

Die Löhne reichen kaum zum Leben

Ein weiteres Problem ist die Arbeitslosigkeit. Die 7,3 Prozent aus den offiziellen Statistiken glaubt in Rumänien kein Mensch; die Schätzungen rangieren zwischen 15 und 20 Prozent. Gerade Berufsanfänger stellen sich unweigerlich die Frage: Warum nicht ins Ausland gehen? Rumänische IT-Spezialisten und Ärzte sind besonders gefragt. Während sie im eigenen Land kaum mehr als das Durchschnittsgehalt von 354,53 Euro verdienen, lockt Westeuropa mit Gehältern, die bis zu zehn Mal höher sind.

Fünf junge Rumänen aus Hermannstadt stehen an dieser Stelle für diejenigen, die nicht ausgewandert sind. Sie sehen ihre Zukunft in Rumänien, obwohl sie sich täglich über die Missstände in ihrem Land ärgern. Sie gehören zu einer neuen selbstbewussten Generation, deren Denken nicht mehr von den Erfahrungen ihrer Eltern bestimmt wird. Alle fünf haben Freunde, Bekannte oder Verwandte, die bereits ausgewandert sind. Sie selbst träumen jedoch von einer besseren Zukunft in der Heimat.